Der Schweiß der Blumen. Ein Naturphänomen.

Bild
Der Schweiß der Blumen

Tarnen und täuschen ist nicht nur bei uns Menschen eine beliebte Vorgehensweise, um Ziele zu erreichen – auch in der Natur findet sich diese Strategie sehr häufig. Man denke beispielsweise an Pfaue, die ihr Rad schlagen, um größer zu wirken und damit zu beeindrucken, an Fische, deren Zeichnung vermittelt, sie hätten die Augen an ihrer Hinterseite, oder an Fangschrecken, die wie dünne Zweige mit Blättern aussehen. Ein bisschen eifersüchtig blicke ich bisweilen auf die Tintenfische, die einfach in einer blauen Wolke verschwinden, wenn eine Situation unangenehm wird. Aber auch Blumen haben so ihre Taktiken, wie sie ihre Ziele erreichen – allen voran die Leuchterblume.

Die Leuchtblume (Ceropegia) verdankt ihren sprechenden Namen der kandelaberähnlichen Form ihrer Blüten. Trotz ihres deutschen Namens ist sie eigentlich nicht bei uns heimisch, sondern auf den Kanarischen Inseln, in Afrika, Madagaskar, auf der Arabischen Halbinsel, in Indien und China sowie auf den Philippinen, in Neuguinea und in Australien zu finden. Bei uns ist sie als Zimmerpflanze sehr beliebt. So wie bei den meisten Blüten ist es auch für diese Pflanze überlebenswichtig, dass sie fremdbestäubt wird. Üblicherweise erhalten die Bestäuber, meistens kleine Insekten, im Gegenzug Nektar – nicht jedoch bei der Leuchtblume.

Diese ahmt den Angstschweiß bzw. Angstgeruch von Bienen nach. Werden Bienen lebensbedrohlich attackiert, setzen sie Alarm-Botenstoffe frei, um ihre Artgenossen vor der Gefahr zu warnen. Dieser Angstschweiß zieht allerdings auch diverse Schmarotzer an, die an den Bienenkadavern mit naschen möchten. In diesem Fall handelt es sich um winzige Mistfliegen mit einer Größe von nur 2 mm. Und da die Leuchtblume von diesen kleinen Mistfliegen bestäubt werden möchte, ahmt sie 33 Substanzen nach, die in Gefahrensituationen aus den Drüsen der Bienen entweichen.

Die umherfliegenden Mistfliegen nehmen diesen Geruch – sozusagen den „Angstschweiß“ der Leuchtblume – wahr, erwarten sich eine köstliche Mahlzeit in Form eines Bienenkadavers, steuern gezielt die Blume an und krabbeln in die Blüte. Kaum am vermeintlichen kalten Buffet angekommen, schließt die Blume jedoch ihre Pforte und die Fliegen sitzen im Blütengefängnis fest. Zum Glück für die kleinen Insekten werden sie nach einer ausgiebigen Bestäubung – in der Regel nach rund 24 Stunden – wieder entlassen.

Ungefährliche und weitaus wohlriechendere Blumen sind hier erhältlich: https://rosalies-blumen.at/de